Pfarrkirche St. Mauritius    (Bitte beachten Sie, dass die Kirche wegen Innenrenovierung bis voraussichtlich 2015 geschlossen ist)

 

Kirche
Auf einer kleinen Anhöhe, dem sogenannten „Schlossberg“, erhebt sich Wiesentheids höchstes und wohl zugleich eindrucksvollstes Gebäude, die katholische St. Mauritiuskirche.
Bereits 1364 wurde Wiesentheid zur Pfarrei erhoben. In dem entsprechenden Stiftungsbrief wird auch schon von einer Kapelle, die der seligsten Jungfrau Maria geweiht war, berichtet. Später ersetzte man die Kapelle durch ein gotisches Kirchlein zum „heiligen Mauritius“. Diese Kirche ließ Graf Dernbach 1682–1684 durch den Würzburger Hofbaumeister Antonio Petrini umbauen und erweitern.


Die heutige Barockkirche, eine Stiftung des Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn, entstand 1727–1732 nach Plänen Balthasar Neumanns. Die Bauausführung lag in Händen des aus Tirol stammenden Baumeisters Joh. Georg Seitz. Nach dem Abbruch der alten Kirche erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Gotteshaus am 22.09.1728. Die Einweihung am 02.11.1732 vollzog der Bruder des Bauherrn, Friedrich Karl von Schönborn, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg.


An der Fassade, über dem Rundbogenportal, steht am Architrav die Inschrift „EXTRVOR EXISTO ET ORNOR PRO HONORE DEI SUM CONSECRATA“ (Ich bin gebaut, ich bestehe und bin geschmückt zur Ehre Gottes, ich bin geweiht). Die etwas größeren Buchstaben ergeben ein Chronostichon (römische Zahlen = Jahreszahl 1732). Darüber das Schönborn-Hatzfeld’sche Familienwappen mit zwei Löwen, den Wappentieren des Hauses Schönborn, als Wappenhaltern. In den Seitennischen sind Statuen des hl. Franziskus und der hl. Eleonore, der Namenspatrone des Stifters und seiner Gattin, zu sehen. In der Mittelnische zeigt eine Figur den hl. Mauritius, den Schutzpatron der Kirche. Statuen und Wappen sind Arbeiten des Frankfurter Bildhauers Heinrich Stahler, ausgeführt in Abtswinder Schilfsandstein.

Besonders sehenswert ist die barocke Innenausstattung des Gotteshauses. Zunächst überrascht die Architekturmalerei des italienischen Freskomalers Giovanni Francesco Marchini (*1672 †1745 Bamberg), der hier mit seinem bedeutendstes Deckengemälde die Illusion eines hohen Kuppelbaues schuf. Der prächtige Hochaltar mit vergoldeten Säulen ist ein Werk des Dettelbacher Künstlers Johann Christian Mayer.

Barocke Innenausstattung
Deckengemälde Marchini

Die Heiligenfiguren am Hochaltar und an den Seitenaltären sind Arbeiten des Würzburger Hofbildhauers Jakob van der Auvera (*1672 Mecheln †1760 Wrzbg.).
Der Kunstschreiner und Ebenist Johann Georg Neßtfell (*1694 Alsfeld/Hessen †1762 Wrzbg.), der in jungen Jahren nach Wiesentheid gekommen war, hier wohnte und 1726 das Bürgerrecht verliehen bekam, fertigte den kunstvollen Tabernakel nebst Tabernakeltür auf dem Hochaltar (Szene: Vision des hl. Johannes auf Pathmos) und andere hochwertige Einlegearbeiten. Neßtfell war übrigens ein vielseitiger Mann der z. B. auch im Auftrag des Kaisers ein Planetarium aus Messing anfertigte. Von seiner Hand stammen ferner die beiden Seitenaltäre, die Oratorien im Chorraum, die Beichtstühle, das Orgelgehäuse und die Kanzel. Weiterhin wurde die Kalvarienberggruppe zwischen Kirche und Pfarrhaus von ihm gestiftet (Ausführung: Lucas van der Auvera, 1766). Die Orgel schuf der Würzburger Orgelbauer Joh. Ignatz Samuel Will; 1740 wurde sie vom Hoforgelbauer Joh. Philipp Seufert umgebaut. Vasen, Kapitelle u.a. fertigte Johann Thomas Wagner (*1691 Gebsattel †1769 Obertheres) aus Untertheres; die Vergoldungen stammen von Matthias Knoll aus Würzburg. Im Glockenstuhl des 52 m hohen Kirchturms hingen früher sieben Glocken, von denen aber nur drei die Ablieferungsaktionen der Weltkriege überstanden. Die älteste Glocke („Evangelistenglocke“, 200 kg, gegossen 1591, 1732 umgegossen) stammt noch aus der früheren Kirche, die schwerste („Balthasar-Neumann-Glocke“) wiegt 2264 kg. 1952 wurden zur Ergänzung des Geläuts drei neue Glocken angeschafft.